Falken sind keine Schweine
Um auf diese naturgegebene Tatsache zu kommen, muss man nicht unbedingt Biologe sein. Das, was ich damit meine und der Zusammenhang mit der Stadt Gelsenkirchen wird aber vielleicht klarer, wenn ich den Titel “Die Gelsenkirchener Falken wollen keine Sparschweine sein” genannt hätte – doch dann würd’s nicht mehr so merkwürdig klingen, dass sich irgendwelche Leute fragen, was das für ein komischer Titel ist und dann auf das Blog hier kommen, um’s herauszufinden.

Sonst wäre ja relativ klar, was gemeint ist. So viel dazu.
Weiter zum Thema: Die Verwaltung der Stadt Gelsenkirchen hat vorgeschlagen, 2011 die kommunalen Mittel für das Falken-Jugendheim “Erich-Ollenhauer-Haus” in der Resser Mark (35.000 €) komplett zu streichen.
Begründung: In das System der “offenen” Jugendarbeit will die Stadt mehr Bewegung reinbringen. Das Falken-Heim sei außerdem in einem schlechten Zustand und die Resser Mark würde überproportional kommunale Mittel erhalten. Die Gegenseite argumentiert, dass OB Baranowski ja häufig erklärt hat, dass die “Zukunft der Stadt täglich durch die Türen der Kindergärten, Schulen und Jugendheime geht” und ob das denn nicht auch für die Resser Mark gelte. Indem die Gelsenkirchener Falken vor der heutigen Sitzung des Ausschusses für Kinder, Jugend und Familie unter dem Motto “Wir sind keine Sparschweine” Sparschweine an alle Mitglieder des Ausschusses verteilten, protestierten sie gegen die geplanten Streichungen.
Stadtverordneter Ulli Jacob (29, SPD) äußert zwar “Bauchschmerzen”, unterstützt aber die Pläne der Verwaltung. Er weist jedoch klar darauf hin, dass die Mittel für die Kinder-und Jugendarbeit in der Resser Mark nicht gänzlich gestrichen werden sollten. Es sei jetzt an der Zeit, “mobile und flexible Angebote zu prüfen und entsprechend einzurichten”, erklärt er auf Nachfrage, diese würden auch weiterhin unterstützt werden, wie fraktionsinterne Aussagen verlauten ließen.

- Ulli Jacob (29, SPD)
Weiter erklärt er, dass die Resser Mark im Gegensatz zu den anderen Stadtteilen das dreifache Angebot an Hauptamtlichen hätte, während diese aufgrund von hohen sozialen Problemlagen woanders fehlten und führt u. A. die Stadtteile Erle, Horst, Ückendorf und Schalke an. Tatsächlich kommen im städtischen Durchschnitt auf 1.000 Jugendeinwohner (6-26 Jahre) statistisch 0,7 hauptamtliche Vollzeitstellen. In der Resser Mark sind es 2,1 Vollzeitstellen.
Aufhorchen lassen sollte seine Aussage, dass die 35.000 städtische Mittel für das Erich-Ollenhauer-Haus ab 2011 nicht zwangsweise wegfielen, sondern in andere Projekte und Standorte des Falken-Bauvereins (dessen stv. Vorsitzender Baranowski ist) fließen könnten, wenn sich der Bauverein jetzt an die Planungen mache. Aus der SPD-Ratsfraktion gingen die Aussagen jedenfalls in diese Richtung. Die 39.000 € Landesmittel für die Resser Mark sollen erhalten bleiben und für moderne, stadtteilgerechte Angebote des Falken-Bauvereins in der Resser-Mark verwandt werden.
Wichtig ist jetzt, dass die Stadt auf produktive Zusammenarbeit und Gespräche mit den Trägern, als auf “Druck” setzen sollte, wie CDU-Vertreter es verlangten, bevor sie ihre als “heftig” kritisierten Aussagen anschließend zurücknahmen. Weiterhin bleibt die heutige Aktion der Falken zu begrüßen. Immer, wenn Mittel bei der Kinder- und Jugendarbeit gekürzt werden sollen, sollte die Gesellschaft aufhorchen und notfalls auf die Straße gehen, um dagegen zu demonstrieren. Denn in der Tat: Die Kinder und Jugendlichen sind die Zukunft unserer Stadt und auch aller anderen Städte. Das sollten sich Schwarz-Gelb im Bund und im Land vor die Augen halten, wenn sie den Kommunen wieder Gelder nehmen, ihnen mehr Lasten auferlegen oder lieber ’systemrelevante’ Banken, als wirklich systemrelevante Kommunen finanziell unterstützen. Die Kritik muss an die Landes-und Bundesregierung, wenn nicht an das kapitalistische System gehen.
Mehr: Westdeutsche Allgemeine Zeitung.
Tags: Falken, Familie, Jacob, Jugend, Kinder, KJF, Sparen, SPD








Mittwoch, 10.März 2010 von Taner Ünalgan
Allgemein, Aus dem Rat, Soziales